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Wie entsteht der ETF-Preis?

Vielen wird sicher schon aufgefallen sein, das verschiedene ETFs auf den gleichen Index verschiedene Preise haben. Als Beispiel nehmen wir mal den MSCI World. So kostete der Xtrackers MSCI World UCITS ETF - 1C USD ACC ETF am 07. Mai 2020 um ca. 16:10 Uhr 55,61 €, während der Amundi MSCI World UCITS ETF EUR (C) 280,64 € kostete.
Aber wie kann das sein? Ist jetzt der Amundi zu teuer, oder der Xtrackers ein Schnäppchen? Genau das möchte ich in diesem Artikel klären.

Aber bevor ich zu der Preisentwicklung eines ETFs komme, möchte ich erwähnen, das der Preis völlig irrelevant ist. Bei einem MSCI World ETF profitieren wir ja von der Entwicklung der Weltwirtschaft. Wenn die Weltwirtschaft in einem Jahr im Durchschnitt um 6% - 7% steigt, ist es doch egal, ob der ETF, den ich gerade bespare 10 €, 100 € oder 1.000 € kostet, denn die Kurse steigen und sinken ja prozentual. Wenn ich 10.000 Euro anlege, ist es egal, ob ich 100 Anteile von einem ETF bekomme, welcher 100 Euro kostet, oder 1.000 Anteile von einem ETF der 10 Euro kostet. 10.000 angelegte Euro sind angelegte 10.000 Euro. Sollte der MSCI World 6% steigen, steigen auch die 10.000 angelegten Euro um 6%.

Und wie kommt es jetzt, das Fonds von verschiedenen Anbietern verschiedene Preise haben, obwohl sie auf den gleichen Index abzielen?
Das liegt am Fondsvermögen und der Anzahl sich im Umlauf befindlichen Anteile. Der Preis berechnet sich wie folgt:
ETF Preis = (ETF Vermögen - ETF Verbindlichkeiten) : Anzahl der im Umlauf befindlichen Anteile

Wer jetzt einen monatlichen Sparplan über 100 Euro laufen hat, braucht bei unseren Beispielfonds natürlich länger, bis er vom Amundi MSCI World UCITS ETF EUR (C) einen kompletten Anteil voll hat, weil dieser ja 280,64 € kostet. Für einen kompletten Anteil müsste man bei 100 Euro im Monat schon drei Monate sparen, wärend man bei dem Xtrackers MSCI World UCITS ETF - 1C USD ACC ETF nach einem Monat schon fast zwei Anteile hat. Schließlich kostete dieser ETF am 07. Mai 2020 nur 55,61 €. Aber wie anfangs bereits erwähnt, ist es völlig egal, wie viele Anteile man hat, denn die Rendite wird in Prozenten gerechnet.

Also achtet nicht unbedingt auf die ETF-Preise. Auch wenn ich es bereits in einem anderen Artikel geschrieben habe, wiederhole ich hier, worauf ihr wirklich beim ETF Kauf achten solltet:

Der Index:
Als erstes sollten wir uns über den Index Gedanken machen. Möchten wir nur in einem bestimmten Land investieren, zum Beispiel in Deutschland, würde ein DAX-ETF Sinn machen. Möchten wir nur in eine bestimmte Branche investieren, zum Beispiel in die Technologie-Branche, würde ein Tech-ETF passen. Aber als Leser des Zinszüchter-Blogs weißt Du ja, dass man breit streuen sollte. Zumindest als Basis-Instrument sollte man auf einen Fonds setzen, welcher mehrere Branchen in mehreren Ländern beinhaltet. Also käme ein MSCI World (eventuell ACWI und/oder imi) in Frage, oder ein FTSE All World oder ein Solactive GBS Developed Markets (zum Beispiel über dem Amundi Index Solutions Prime Global UCITS ETF - DR USD DIS ETF)
Die Begriffe der merkwürdig klingenden Namen sind in diesem Artikel genauer erklärt.

Ausschüttend oder thesaurierend?
Als nächstes solltest Du Dir überlegen, ob Du lieber ab und zu Ausschüttungen haben möchtest, oder ob alle Gewinne immer sofort automatisch wieder angelegt werden sollten.
Beide Varianten haben ihre Reize. Bei einem ausschüttenden ETF kannst Du, sofern noch vorhanden, leichter Deinen Sparer-Freibetrag ausschöpfen. Bei Singles liegt dieser heute (Februar 2020) in Deutschland bei 801 Euro, bei Ehepaaren bei 1602 Euro. Solltest Du in einem anderen Land leben, müsstest Du Dich dort erkundigen.
Außerdem kann man Ausschüttungen als eine Art Belohnung dafür sehen, dass Du Dein Geld angelegt hast. Du siehst quasi heute schon, dass Du dafür auch etwas bekommst. Einigen Leuten helfen Ausschüttungen wohl auch, Krisenzeiten leichter zu überstehen.
Bei thesaurierenden ETFs hast Du zum einen den Vorteil des Zinseszins-Effekts, zum anderen brauchst Du Dich um die Wiederanlage irgendwelcher Ausschüttungen nicht kümmern. Wie stark der Zinseszins-Effekt wirkt, kannst Du in diesem Artikel lesen.

Die Kosten:
Viele schauen bei den Kosten nur auf die TER. Diese Abkürzung steht für Total Expense Ratio und bedeutet Gesamtkostenquote. Darin enthalten sind sämtliche Verwaltungsgebühren und Betriebskosten des ETFs. Transaktionskosten, welche Du bei Deinem Broker hast, fallen hier nicht mit rein.
Man sollte allerdings nicht nur auf die TER achten, sondern auch auf die TD (Tracking Difference). Diese besagt, wie genau ein ETF sein zugrunde liegenden Index abbildet.

Die Replikationsmethoden:
Die Replikationsmethoden beschreibt, wie der ETF den zugrunde liegenden Index nachbildet. Hierbei unterscheiden wir von physisch, optimiertes Sampling oder synthetisch.

Physisch :
Bei der physischen Replikationsmethode kauft der ETF-Anbieter die enthaltenen Wertpapiere 1:1 nach.

Optimiertes Sampling:
Hierbei werden nicht alle Wertpapiere 1:1 nachgekauft, sondern eine repräsentative Auswahl an Wertpapieren. Das macht man, um Kosten zu sparen.

Synthetisch:
Bei der synthetischen Replikationsmethode schließt der ETF-Anbieter einen Vertrag mit einem anderen Finanzinstitut ab. Das Finanzinstitut verpflichtet sich, dem ETF im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu gewährleisten.
Einen synthetischen ETFs nennt man auch Swap-ETF. Dieses Vorgehen soll die Kosten minimieren. Allerdings besteht bei Swap-ETFs ein Kontrahenten-Risiko. Das Kontrahenten-Risiko besteht darin, dass der Tauschpartner pleite gehen könnte. Um das Risiko einzudämmen, sind die Tauschpartner verpflichtet, mindestens 90% durch Sicherheiten abzudecken. Näheres über das Kontrahenten-Risiko könnt Ihr hier lesen.

Das Fondsvolumen:
Ist das Fondsvolumen zu klein, kann es passieren, dass der ETF vom Anbieter vom Markt genommen wird, oder dass der zu kleine ETF mit einem anderen ETF verschmolzen wird.
Über die Mindestgröße eines ETFs liest man verschiedene Meinungen, Die Seite extraetf.com schreibt darüber: "Experten gehen davon aus, das erst ab einem Fondsvolumen von mindestens 50 Mio. € ein ETF wirtschaftlich betrieben werden kann. Bei einem Fondsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro gilt die Wirtschaftlichkeit so gut als gesichert".

Die Währung:
Einige Anleger stören sich daran, wenn ein ETF nicht in Euro, sondern in anderen Währungen, wie zum Beispiel US-Dollar aufgelegt ist. Man möchte kein Währungsrisiko haben. Andere Anleger sehen das nicht so eng und meinen, dass ein Währungsrisiko auch eine Währungschance sein kann. Über das Währungsrisiko hat justetf.com in diesem Artikel ausführlich geschrieben.

Sparplanfähigkeit:
Nicht jeder ETF ist bei jedem Broker sparplanfähig. Solltest Du nach den oben genannten Kreterin ein ETF gefunden haben und möchtest ihn besparen, solltest Du bei Deinem Broker nachsehen, ob dieser auch dort besparbar ist. Ist das nicht der Fall, kannst Du Dir entweder einen anderen Broker suchen, oder einen anderen ETF. Monatliche Direktkäufe könnten (je nach Broker) zu sehr hohen Gebühren führen. 

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